Weinmann trifft in Argentinien auf heftigen Gegenwind – er freut sich dennoch

von Paul Hopp, Weilheimer Tagblatt vom 16. Dezember 2019

*** klick zum Vergrößern***

Der erste Versuch, sich für die Ironman-WM 2020 zu qualifizieren, ging daneben. Doch Wolfgang Weinmann gab nicht auf und wurde belohnt. In Argentinien qualifizierte sich der Weilheimer für Hawaii – in einem nervenaufreibenden und windumtosten Rennen.

Mar del Plata – So ein Zieleinlauf bei einer Langdistanz „ist jedes Mal ein sehr emotionaler Moment“, sagt Wolfgang Weinmann. Für sein Finish beim „Ironman Argentina“ in Mar del Plata galt das besonders. Denn der Weilheimer lief mit der Zeit von 10:49:14 Stunden als Dritter in der Altersklasse „55-59“ ein, was ihm die lang ersehnte Qualifikation für die Ironman-WM 2020 auf Hawaii bescherte. Obendrein war noch die Familie mit Ehefrau und Sohn vor Ort. Nach der Ziellinie brachen sich die Emotionen Bahn: „Ich hab’ vor Freude geheult“, so Weinmann. Einen Extra-Dank richtete er auch „an die vielen Sportfreunde, die das Rennen am Ticker mitverfolgt und mir die Daumen gedrückt haben“.

Im Juni hatte der Weilheimer erst einmal eine Enttäuschung zu verdauen gehabt. Beim „Ironman Ireland“ in Cork verpasste er als Sechster seiner Klasse nur hauchdünn das WM-Ticket. Da er aber in guter Form war, entschied der Post-SV-Athlet zusammen mit Trainerin Theresa Grasskamp, die Saison zu verlängern und einen zweiten Angriff zu wagen. Für Weinmann bedeutete dies erneut lange Lauf- und Radeinheiten. „Da braucht’s schon ein bisserl Motivation“, so der Weilheimer. Die brachte er auf – und wurde dafür nun in Argentinien, bei der „South American Championship“ in Mar del Plata, belohnt. Bei diesem Wettkampf hat sich der Peißenberger Triathlon-Profi Lukas Krämer 2018 für die WM in diesem Jahr qualifiziert. Das Schwimmen findet im Ozean statt, „die Strecken sind ausnahmslos flach“, so Weinmann. Das bedeutet jedoch nicht „einfach“, denn da sie an der Küste verlaufen, sind sie dem Wind ausgesetzt. Am Wettkampftag blies dann prompt ein Wind, ja eher Sturm.

Top Leistung in Argentinien: Wolfgang Weinmann vom Post SV Weilheim belegte beim Ironman in Mar dl Plata mit 10:49:17 Stunden in seiner Klasse Rang drei. (c) FinisherPix

Ironman: Weinmann nach dem Schwimmen auf Rang fünf 

Der hohe Wellengang im Atlantik (in Kombination mit niedrigen Temperaturen) veranlasste die Organisatoren dazu, die Schwimmstrecke um 800 Meter auf genau 3 Kilometer zu verkürzen. Den Part im Wasser – zu absolvieren waren 2 x 1500 Meter mit einem zwischenzeitlichen „Landgang“ – brachte Weinmann in 56:38 Minuten hinter sich. Damit lag er in seiner Klasse an der fünften Stelle. Eine Besonderheit war, dass beim Start nicht alle Athleten auf einmal, sondern in Fünf-Sekunden-Abständen jeweils zwei Sportler ins Wasser geschickt wurden. „Das hat den Vorteil, dass es im Wasser kein ,Geprügel‘ gibt und man auf der Radstrecke unerlaubtes Windschattenfahren besser kontrollieren kann“, erklärt Weinmann. Fürs Ergebnis zählten somit die Nettozeiten – der Weilheimer wurde auf der Strecke von seinem Sohn (er beobachtete den Liveticker) über den aktuellen Stand informiert.

Ironman: Schrecksekunde wegen einer Pylone

Auf der Radstrecke (auf einem 30-Kilometer-Kurs ging es jeweils drei Mal hin und her) wurde es dann richtig heftig. Bei so einem Wind „bin ich noch nie auf dem Rad gesessen“, berichtet Weinmann. „Windsurfen wäre an diesem Tag ganz sicher der schlauere Sport gewesen.“ Mit Windunterstützung fuhr der Weilheimer 30 Kilometer mit einem Schnitt von 44 km/h, zurück reichte es nur zu einem 23er-Schnitt, „obwohl ich da viel Kraft investiert habe“. Eine Schrecksekunde gab es auch zu überstehen: Kurz vor ihm wurde eine Pylone, die als Absperrung diente, auf die Strecke geweht, Weinmann konnte drüberfahren, ohne zu stürzen. Nach 60 Kilometern lag der Post-SV-Sportler an der zweiten Stelle. Da ein Platz unter den ersten drei fürs Hawaii-Ticket reichte, fuhr er danach kontrolliert, „um noch genügend Körner für den Marathon zu haben“.

Ironman: Laufstarker Belgier holt auf

Nach 5:48:33 Stunden auf dem Rad (entspricht einem Schnitt von 31 km/h) wechselt Weinmann in die Laufschuhe. Beim Marathon ging der Weilheimer kein Risiko ein: „Ich habe jede Verpflegungsstelle genutzt, auch wenn das jedes Mal Zeit gekostet hat.“ Nach der zweiten Laufrunde, bei Kilometer 28, lag er auf dem dritten Platz, mit 13 Minuten Vorsprung auf den laufstarken Belgier Rudy Hoskens. Der war flott unterwegs, aber Weinmann ließ sich seinen Platz nicht mehr nehmen. Die 42,2 Kilometer lief er in 3:56:01 Stunden. Hoskens (Marathonzeit: 3:30:38) hatte am Ende knapp sieben Minuten Rückstand auf Weinmann, durfte aber auch jubeln. Wie sich herausstellte, schaffte in Argentinien auch der Vierte der M-55-Klasse den Sprung nach Hawaii.

Weinmann, der seine Leistungen stets nüchtern-zurückhaltend betrachtet, ist auf sein Resultat in Argentinien stolz – und das absolut zurecht. Dritter in der Altersklasse bei einer Kontinental-Meisterschaft zu werden, „ist schon eine Auszeichnung, über die ich mich irrsinnig freue“.