Ironman Argentinien – WW wird Dritter der AK mit Ticket für Hawaii 2020

von WW

Nachdem ich im Juni dieses Jahres beim Ironman Irland eher knapp am Slot vorbeigesportelt bin, wollte ich noch einen Versuch starten, um 2020 nach Hawaii zu kommen. Im Herbst gibt es nur sinnvolle Ziele fernab der Heimat – warum nicht zu den South American Championship nach Argentinien. Renntermin: 1. Dezember! Uff, damit war klar, dass die langen Rad- und Laufeinheiten, die mir meine liebe Trainerin Theresa Grasskamp in Hausaufgabenbüchlein geschrieben hatte, auch mal im Dunkeln, bei Regen, Nebel oder allem zusammen gemacht werden mussten.

Weil aber der Wettergott dieses Jahr ein Einsehen hatte, waren die meisten Trainings vom Wetter her erträglich und dank Steffen, Michi, Max, Katharina und Christian ein frohes und sehr schönes Miteinander – Euch vielen lieben Dank!

Um nach Mar del Plata zu kommen, ca. 5 Autostunden südlich von Buenos Aires, brauchten wir insgesamt 30 Stunden – für den Rückweg nach Hause dann übrigens auch. Uta und Timo begleiteten mich  – wir hatten eine sehr praktische, große und gut gelegene Ferienwohnung – alles war in Fußnähe. Der Frühling an der Atlantikküste ist windig, zuweilen auch sehr windig oder manchmal auch sehr sehr windig. Eigentlich gar nicht so toll, um schön zu schwimmen oder zu radeln.

Das Meer hatte mal schlappe 17°C und die Luft war am Wettkampfmorgen mit 10-11° so kalt, dass sich die Jury für eine verkürzte Schwimmstrecke von 3 km entschied, die bei einem Rolling Start und einem australischen Landgang in 2 Runden à 1,5 km zu bewältigen war. Was ich nie verstehen werde, dass sich die Athleten bei der Selbstaufstellung alle so unfassbar weit vorne einordnen. In Mar del Plata hatte sich gefühlt die Hälfte der Sportler bei einer Schwimmzeit von unter 1 Stunde für die ursprünglich gedachten 3,8 km im bewegten Meer aufgestellt.

Nach 56 min war der Schwimmsplit für mich an 5.-ter AK Stelle unaufgeregt erledigt. Lange in der Wechselzone hatte ich mich auch nicht aufgehalten, obwohl die Zone zwischen den riesigen  Schossflügeln des historischen Gran Hotel Provincal sehr malerisch aufgebaut war. Als Vierter bin ich auf die Rad-Pendelstrecke, drei Runden à 60 km. Ach ja. Windig war es schon die ganze Woche und am Renntag sollte es noch windiger werden. Also, ich meine richtig windig. Die erste Runde ging fluchs vorbei. Meine Familie hatte mir immer die Zwischenstände zugerufen. „Zweiter der AK, eng zusammen mit dem Dritten“ hörte ich nach der ersten Radrunde. Der Wind frischte noch mehr auf, in der zweiten und dritten Runde – boah – leck – bei so etwas war ich noch nie auf dem Rad gesessen. Einmal kam mir eine Abgrenzungspylone entgegen geweht, über die ich mit dem Radl drübergeholpert bin. Glücklicherweise hatte ich mich auf dem Radl halten können. Ohne großartig fest zu treten bin ich auf dem Hinweg zum ersten Wendepunkt etwa einen 44er Schnitt gefahren. Auf dem Heimweg mit Gegenwind zeigte der Tacho dagegen nur 23 km/h an, obwohl ich wirklich Energie investierte. Da verliert man den Glauben und mir ist es schwer gefallen, mit den Kräften zu haushalten und nicht mit zu viel Körnern unbedingt „schneller“ zu fahren, also 28 km/h (hahaha gell komisch 28 wäre schnell gewesen). Ich hatte dann nur noch die Wattwerte auf dem Leistungsmesser im Blick.

Der abschließende Marathon führte wie die Radstrecke ebenfalls direkt an der Küste lang, ebenfalls als Pendelstrecke auf 3 Runden, jede Runde 14 km lang. Bei den zwei Dixi-Stops hatte ich wohl die, die den Liveticker verfolgten, ordentlich erschreckt: „der Weinmann geht“ dachte man, das hörte ich nach dem Rennen – nein alles lief glatt. Timo hatte das Ferncoaching von Steffen und die die Fernmotivation von Max per WhatsApp an mich weitergegeben – Steffen: „der soll essen essen essen“ oder Max „Wolle, Du geile Schlange!“ Das war wirklich saugut. Nach der zweiten von drei Runden hatte ich bei km 28 etwa 13 min Vorsprung auf den Vierten, einem heranfliegenden Belgier. Ja, meine Beine hatten sich jetzt schon richtig gebraucht angefühlt, aber durch die tolle Vorbereitung durch Theresa war ich mir sehr sicher, nicht einzugehen. Bei verbleibenden 14 Laufkilometern und 13 min Vorsprung war klar, dass ich einfach ruhig aber konstant weiter laufen sollte und dann hast Du es.  Geilo, mehr als eine Stunde Zeit sich auf den Zielkanal zu freuen.

So war es dann auch, als Dritter der AK M55 durchs Ziel. Hinter der Ziellinie dann „emotional berührt“, wie man so fein sagt. Oder anders: ich habe in den Armen meiner Lieben geheult und nach Luft geschnappt. Und der Slot war dann auch klar gemacht.

Ergebnis

Platz Gesamt Starter AK Platz AK Swim 3000 m T1 Rad 180 km T2 Lauf 42 km Gesamtzeit
186 (760) Wolfgang Weinman M55 3 (30) 0:56:38 0:04:16 5:48:33 0:03:45 3:56:01 10:49:14