Ironman auf Gälisch

von Wolfgang W.

Irland ist anders, das hat der Veranstalter schon bei der Ausschreibung des Ironman Cork versprochen. Das war bestimmt anders gemeint, als es dann kam. Übrigens liegt Cork  an der Südostküste Irlands, direkt am eher kühlen Atlantik und einer hügeligen Landschaft, die einem eine einfache Radstrecke vorgaukelt.

Der Rad-Check-In verlief, naja, ein bissl holprig. Ich bin an einem Bordstein hängen geblieben und habe tatsächlich einen Salto übern Lenker gemacht, ein paar blaue Flecken abgeholt und die Schaltung an den Extensions abgebrochen, die ich dann mit Klebeband provisorisch aber erfolgreich geflickt habe.

Die vorgeschaltete Urlaubswoche war bei schönstem Wetter wunderbar erholsam. Die Wettervorhersage für den Wettkampftag ließ dagegen überhaupt nichts Gutes erwarten. Es schüttete ab 5 Uhr morgens in Strömen und es sollte den ganzen Tag bis Zieleinlauf nicht aufhören. Dazu wehte ein strammer Wind. Die armen Begleiter und Zuschauer hatten zwar Regenschirme dabei, wurden aber auch von der Seite nass.

Der Schwimm-Part wurde wegen der unwirklichen Bedingungen (13° Wasser, 12° Luft und sonst eher tolle Surfbedingungen) abgesagt – bedauerlich aber nachvollziehbar. Stattdessen hat die Wettkampfleitung nach einiger Beratungszeit einen Time Trial-Run ausgerufen. Die Sportler wurden blockweise zum Start gebeten. Ich selber war leider in der letzten Gruppe, wohl wegen „AK uralt“ und habe vorm Rad-Start bereits zwei Stunden im strömenden Regen gebibbert.

Geradelt  wurden zwei 90 km Runden auf sehr engen und ruppigen Straßen – teilweise sogar sehr ruppigen Straßen. Die ersten im Wesentlichen flachen Kilometer vergingen sehr schnell. Danach ging es nur noch hoch und runter, knapp 1000 Höhenmeter pro Runde. Die Freude bei den Abfahrten war eher mäßig, weil die Straßen sehr kurvig und rutschig nass waren und die Hand immer an der Bremse war. Zum Abschluss der Radlrunde durfte man den Windmill Hill „hochfahren“, etwas mehr als 20% Steigung, an der auch  z.B. der spätere zweite Profi Bryan McCrystal sein Radl lieber hochgeschoben hat.
Nach den ersten 90 Radl-Kilometern hat mir meine Frau Uta auf Meldung von Steffen den 7. AK-Platz durchgerufen. Yes!! Wenig später ist mir auf einer der zahllosen Rüttelpassagen der rechte Armauflieger nach unten gekracht – na toll, ab jetzt also schön Körperspannung in der Aeroposition. Zum Radabschluss war ich dann sogar sehr überraschend Vierter der AK, ganz in Kona-Slot Nähe. Uiuiuiui!!
Der Marathon wurde in vier 10 km Schleifen gelaufen, mit einem abschließenden zusätzlichen 2 km „Zielkanal“. Ach ja, obwohl das Wetter in Youghal/Cork sehr ungemütlich war, herrschte an der gesamten Strecke eine Bombenstimmung, fast wie in Roth oder Frankfurt. Die ersten 5 Lauf-km liefen sehr gut, bis zum ersten Krampf im linken Bein –oh Gott noch 37 km laufen, wie soll denn das gehen? Eigentlich erwischte mich dann alle 5 km ein neuer Krampf, ab km 25 auch im rechten Bein. Trotzdem hielt der vierte AK-Platz bis Laufkilometer 35 – bis ins Ziel bin ich aber noch auf den 6.sten AK Platz abgerutscht. Ins Ziel kamen 77 Sportler der AK 55 von insgesamt ca. 130 Gestarteten. Überhaupt war die DNF Quote wegen der Bedingungen relativ hoch. Ja, und ich war nicht als Einziger der Meinung, dass ich noch nie so ein krasses Rennen mitgemacht habe.
Der Abend war nach dem Zieleinlauf noch nicht zu Ende, denn am Athleten-Parkplatz waren auf der Wiese die Autos im Schlamm versoffen. Ca. 1000 Autos wurden einzeln von Traktoren aus dem Acker gezogen. Um Mitternacht war der Spuk für Uta und mich glücklich beendet.

Fazit: Heiles Auto, ein schöner sechster Platz bei einer Langdistanz, ein wirklich hartes Rennen mit Anstand sehr gut über die Bühne gebracht. Ich war superzufrieden mit dem Tag. Und – ich hab mich riesig gefreut, dass so viele zuhause mitgefiebert haben.

Platz (Ziel/Starter) Starter AK Platz (Ziel/Starter) Swim Rad T2 Lauf Gesamt
256 (1222/2100) Wolfgang Weinmann M55 6 (77/130) n.a. 06:16:52 07:01 04:24:50 10:48:42